Woher kommen die üblichen Intervalle?
Als Orientierung für die Reinigung von Schankanlagen wird in Deutschland immer wieder die DIN 6650-6 „Getränkeschankanlagen – Teil 6: Anforderungen an Reinigung und Wartung" genannt. Sie ist keine Rechtsvorschrift, sondern eine anerkannte Regel der Technik. Viele Brauereien, Getränkefachgroßhändler und Anlagenbauer geben ihre Empfehlungen auf Basis dieser Norm heraus.
Wichtig: Die konkreten Intervalle können je nach Anlage, Getränk und Herstellervorgabe abweichen. Wenn dein Anlagenbauer oder deine Brauerei einen bestimmten Reinigungsrhythmus vorgibt, richtest du dich zuerst danach.
Grobe Orientierung nach Getränkeart
In der Praxis werden für die verschiedenen Getränkegruppen häufig folgende Intervalle als Orientierung genannt:
- Bier: chemische Reinigung typischerweise alle 7 Tage, mechanische Reinigung (mit Schwammkugel) in längeren Abständen – häufig alle paar Wochen bis Monate, abhängig von der Anlage.
- Alkoholfreie Getränke (AfG) mit Zucker (Softdrinks, Schorlen): tendenziell häufiger, weil Zucker Mikroorganismen ein gutes Nährmedium bietet.
- Wein/Sekt und Getränke mit hohem Alkoholgehalt: oft in längeren Intervallen, weil der Alkohol selbst konservierend wirkt – dennoch ist eine regelmäßige Reinigung erforderlich.
Diese Angaben sind Anhaltspunkte, keine verbindlichen Vorgaben. Verantwortlich für den konkreten Rhythmus bleibst du als Betreiber. Halte dich an die Hersteller- und Brauereivorgaben und dokumentiere, was du tust.
Chemisch vs. chemisch-mechanisch – wo ist der Unterschied?
In der Praxis unterscheidet man zwei Grundverfahren:
- Chemische Reinigung: Ein Reinigungsmittel wird durch die Leitung gespült. Es löst Rückstände wie Bierstein oder Biofilme chemisch an. Das ist das, was in vielen Betrieben wöchentlich läuft.
- Chemisch-mechanische Reinigung: Zusätzlich zum Reinigungsmittel wird ein mechanisches Element durch die Leitung geschickt – meistens eine Schwammkugel. Sie schabt die Innenwand der Leitung zusätzlich ab und entfernt Beläge, die die chemische Reinigung alleine nicht mehr schafft.
Beide Verfahren ergänzen sich: Die chemische Reinigung ist die häufige „Wartung", die chemisch-mechanische die intensivere „Grundreinigung".
Alkalisch vs. sauer – zwei Reinigungsmittel-Familien
Reinigungsmittel für Bierleitungen sind meistens entweder alkalisch oder sauer:
- Alkalische Mittel (basisch) lösen vor allem organische Rückstände wie Hefereste und Biofilme. Sie sind das Standardmittel für die wöchentliche Bierleitungsreinigung.
- Saure Mittel lösen vor allem mineralische Rückstände wie Bierstein und Kalk. Sie werden typischerweise seltener, aber gezielt eingesetzt.
Welche Konzentration, Einwirkzeit und Spülroutine für dein Mittel gilt, steht auf dem Produktetikett und im Sicherheitsdatenblatt des Herstellers. Diese Vorgaben sind für dich verbindlich – auch wenn eine Faustregel etwas anderes sagt.
Was solltest du bei jeder Reinigung dokumentieren?
Egal ob wöchentliche Standardreinigung oder mechanische Grundreinigung – notiere immer:
- Datum und Uhrzeit
- Welche Leitung / welches Bauteil
- Reinigungsart (chemisch, chemisch-mechanisch)
- Reinigungsmittel und Typ (alkalisch/sauer)
- Name und Unterschrift der reinigenden Person
Das ist genau das, was Papierformulare wie F12 abfragen – und was ein digitales Reinigungsbuch strukturiert erfasst.
FAQ
Ist ein wöchentliches Intervall Pflicht?
Nein, es gibt keine bundeseinheitliche „einmal pro Woche"-Pflicht. In der Praxis ist der wöchentliche Rhythmus für Bierleitungen aber weit verbreitet, weil er den Empfehlungen aus DIN 6650-6, Brauereien und Anlagenbauern entspricht.
Kann ich chemisch statt chemisch-mechanisch reinigen?
Für die häufige Wartung reicht meistens die chemische Reinigung. Eine zusätzliche mechanische Reinigung entfernt Beläge, die die chemische Reinigung alleine nicht mehr löst. Wie oft du sie brauchst, ist anlagenabhängig – der Anlagenbauer gibt dazu meistens eine Empfehlung.
Was passiert, wenn ich Intervalle überziehe?
Ausgedehnte Intervalle können die Getränkequalität beeinträchtigen (Geschmack, Schaumbild) und im Zweifel ein Hygieneproblem verursachen. Die Verantwortung dafür trägst du als Betreiber. Wenn du einen Termin nicht halten konntest, dokumentiere die Nachholreinigung und den Grund.